Ich sitze regelmäßig mit Sellern zusammen, die ihre erste Rechnung schreiben wollen oder bei Amazon ein Seller-Konto eröffnen – und alle stellen die gleiche Frage: Welche Nummer muss ich wo angeben? Auf dem Rechner steht eine 13-stellige Nummer, im Finanzamt-Schreiben eine andere, und Amazon fragt nach noch einer dritten. Das ist kein Einzelfall. Etwa 40 Prozent der Anfragen in meiner Beratungspraxis drehen sich um genau dieses Durcheinander.
Das Problem: Die Begriffe werden oft synonym verwendet, obwohl sie rechtlich völlig unterschiedliche Bedeutungen haben. Eine falsche Nummer im Impressum oder auf einer Rechnung kann zu Abmahnungen oder Bußgeldern führen. Eine fehlende EORI-Nummer beim Import blockiert die gesamte Warensendung im Zoll. Deshalb klären wir jetzt, was was ist – und vor allem, wo Sie welche Nummer eintragen müssen.
Steuernummer vs. Steuer-ID: Das ist der Unterschied
Die erste Verwirrung entsteht oft zwischen Steuernummer und Steuer-ID. Beide bekommen Sie vom Finanzamt, aber sie sind nicht austauschbar.
Die Steuernummer ist eine bis zu 13-stellige Nummer, die Ihr zuständiges Finanzamt vergibt. Sie beginnt mit dem Finanzamtscode (zwei Ziffern für Bundesland, zwei für Finanzamt, zwei für Finanzamtsbezirk) und endet mit einer Ordnungsnummer. Beispiel: 15 234 567 890 123. Diese Nummer ist lokal gebunden – wenn Sie umziehen, bekommen Sie eine neue.
Die Steuer-ID (oder Identifikationsnummer) ist dagegen bundesweit einheitlich und 11-stellig. Sie bleibt Ihnen lebenslang erhalten, auch wenn Sie den Wohnort wechseln. Format: 12 345 678 901. Diese Nummer vergibt das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt), nicht das lokale Finanzamt.
Für Online-Händler gilt: Sie benötigen beide Nummern. Die Steuer-ID verwenden Sie im Privatbereich (z.B. bei Behördenanfragen), die Steuernummer für geschäftliche Zwecke wie Rechnungen und Steuererklärungen. Wenn Sie ein Einzelunternehmen sind, finden Sie beide Nummern in Ihrem Einkommensteuer-Bescheid oder können sie beim Finanzamt erfragen.
Die USt-IdNr.: Das ist die wichtigste Nummer für Seller
Die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) ist für Online-Händler die kritischste Nummer. Sie beginnt mit dem Ländercode (DE für Deutschland) und endet mit einer 9-stelligen Nummer. Format: DE 123 456 789.
Diese Nummer brauchen Sie, um:
- Rechnungen an Geschäftskunden auszustellen (ohne USt-IdNr. können Sie keine Reverse-Charge-Rechnungen schreiben)
- Innergemeinschaftliche Lieferungen zu dokumentieren (wichtig beim Dropshipping aus anderen EU-Ländern)
- Das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop) zu nutzen, wenn Sie in mehrere EU-Länder verkaufen
- Im Impressum Ihres Shops anzugeben (gesetzlich vorgeschrieben)
Viele Anfänger denken, sie könnten ohne USt-IdNr. starten. Das ist ein Fehler. Wenn Sie gewerblich tätig sind – und das sind Sie, sobald Sie regelmäßig Waren verkaufen – müssen Sie sich beim Finanzamt für eine USt-IdNr. anmelden. Das funktioniert über das Finanzamt oder online über das BZSt-Portal. Die Beantragung ist kostenlos und dauert etwa zwei bis vier Wochen.
Wichtig: Die USt-IdNr. ist nicht automatisch an Ihre Steuernummer gekoppelt. Sie ist eine eigenständige Nummer, die speziell für Umsatzsteuerzwecke gilt. Manche Finanzämter vergeben sie automatisch, wenn Sie sich anmelden, andere müssen Sie separat danach fragen.
Die EORI-Nummer: Das ist die Zollnummer
Die EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification) ist eine Zollnummer, die Sie brauchen, wenn Sie Waren von außerhalb der EU importieren oder mit Nicht-EU-Ländern handeln.
Format: DE + 15-stellige Zahl, z.B. DE 123456789012345. Diese Nummer vergibt die Zollbehörde Ihres Bundeslandes, nicht das Finanzamt.
Für Seller ist die EORI-Nummer relevant, wenn Sie:
- Waren aus China, Indien, den USA oder anderen Nicht-EU-Ländern importieren
- Dropshipping mit ausländischen Lieferanten betreiben, die die Ware direkt zum Kunden versenden
- Lagerbestände aufbauen und selbst versenden
Ohne EORI-Nummer bleibt Ihre Warensendung im Zoll stecken. Die Behörde kann sie nicht freigeben, weil sie nicht weiß, wer der Importeur ist. Das kann bedeuten, dass Ihre Ware wochen- oder monatelang im Zolllager lagert.
Die Beantragung erfolgt beim Zollamt oder online über das BZSt-Portal. Auch hier: kostenlos, dauert aber etwa zwei bis vier Wochen. Manche Zollämter sind schneller, andere langsamer – das hängt von der Auslastung ab.
Wo Sie welche Nummer angeben müssen
Jetzt wird es praktisch. Hier ist die konkrete Checkliste für die verschiedenen Kanäle:
Amazon Seller Central
Bei der Anmeldung fragt Amazon nach Ihrer Steuernummer oder USt-IdNr. Welche Sie eingeben, hängt davon ab, in welchem Land Sie registriert sind. Wenn Sie in Deutschland Steuern zahlen, geben Sie Ihre deutsche Steuernummer (13-stellig) oder alternativ die USt-IdNr. (DE + 9-stellig) an. Amazon akzeptiert beide. Manche Seller verwenden die Steuernummer, andere die USt-IdNr. – beide Varianten funktionieren.
Wichtig: Wenn Sie in mehrere EU-Länder verkaufen, muss Amazon auch Ihre USt-IdNr. haben, damit das OSS-Verfahren korrekt abgewickelt wird.
Eigener Webshop (Impressum)
Im Impressum Ihres Shops müssen Sie Ihre USt-IdNr. angeben – das ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Steuernummer ist optional, wird aber oft auch angegeben. Format: „Umsatzsteuer-Identifikationsnummer: DE 123 456 789
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